Reichsfestung Philippsburg nach einem Stich von 1676

1603
Herrscht die Ruhr und 1607 die Pest. Das hiesige Hof- und Landgericht konnte Todesurteile fällen, die dann auch durch Galgen und Schwert vollstreckt wurden.Eberhard erkrankt 1604 und ist ab 1606 zum Regieren unfähig. Er stirbt am 10. Oktober 1610.
Während seiner Krankheit war Christoph Philipp Freiherr von Sötern sein „Coadjutor“.

Christoph Philipp
Freiherr von SöternEr wohnt seit 1609 und wird 1610 zu seinem Nachfolger gewählt. Am 20 Oktober erfolgt sein Eintritt in Udenheim. Am 12. Januar 1611 reitet er in schwarzsamtenen Reitrock mit einem Festgeleite von 272 Pferden von hier nach Speyer. Es war nach 4 1/2 Jhh. der letzte Einritt eines Bischofs in Speyer Am 12. Oktober 1612 findet hier eine doppelte Bischofsweihe statt. Philipp von Sötern wird zugleich mit dem neuen Wormser Bischof Wilhelm von Effern in der hiesigen Schlosskapelle konsekriert. Viele Ehrengaste waren anwesend. Zur Feier des Tages wird eine Gedenkmünze geprägt. Viele Zeitgenossen hielten Sötern, Wallenstein und Richelieu für die 3 bedeuternsten Männer ihrer Zeit in Europa. Seine Hofhaltung war sparsam und genau. Er war Großrichter beim Kammergericht in Speyer. 1623 wird er auch noch Erzbischof von Trier. Sötern fühlt sich in der Zeit der ausbrechenden Machtkampfe zwischen Union und Liga durch die ihm benachbarten protestantischen Fürsten von Württemberg, Baden und der Kurpfalz. so wie durch die Reichsstadt Speyer bedroht. Schon 1611 lasst er in den Ämtern des Hochstifts Burgermilizen aufstellen 1615 beginnt er mit dem Ausbau Udenheims zu einer Haupt- oder Realfestung nach dem Vorbild Alt-Breisachs.Die Bewohner der umliegenden Orte und Ämter, aber auch die zur Fron nicht verpflichteten Udenheimer schanzen so, dass sich bald hohe Walle mit 5 mächtigen Bastionen, 2 Halbbastionen und 2 ansehnliche Tore erhoben. Die Werke schlossen die innere Stadt und das bischöfliche Schloss ein; die äußere Stadt wurde in das Hornwerk einbezogen. Am 25. Juni 1618 erscheinen die Pfälzer und Badener so wie die Speyerer mit 4.000 Mann und 1.200 Schanzern. Die Festung wurde Ihnen durch Verrat geöffnet und innerhalb von 8 Tagen hat ten sie alles zerstört. 1620, nach der Niederlage der Union am Weißen Berg, verheert der Söldnerführer Graf Ernst von Mansfeld das Hochstift. Sötern lasst die Festung notdürftig wieder herstellen und übernimmt selbst den Oberbefehl. 1621 überfallt er und vertreibt von hier aus die Mansfelder aus Untergrombach. Die Stadt Bruchsal hatte zweimal dem Willen des Bischofs entgegengehandelt und beim 2. Mal den Feinden sogar den Huldigungseid geleistet. Sötern vertreibt die Mansfelder mit stürmender Hand und die Bruchsaler mussten zur Strafe eine große Summe bezahlen Sie bekommen ihre Stadtrechte, Freiheiten und Begünstigungen genommen; diese wurden der Stadt Udenheim zugewiesen. 1m August und September eroberte Tilly die ganze Unterpfalz zurück; Sötern ist bestrebt alle Ämter und wichtigen Stellen hierher zu verlegen. Udenheim soll die 1. Stadt des Landes werden.

Philipp Christoph von Sötern verwandelte zu Beginn des Dreißiqjähriqen Krieges Udenheim in eine Festung und gab ihr am 1, Mai 1623 den Namen "Philippsburg". Sötern war Erzbischof und Kurfürst zu Trier, Fürst und Bischof zu Speyer, Reichskanzler für Gallien und Arelat, Hi. Mitglied des Domkapitels zu Mainz, Abt von Priim und st. Martin, Probst von Weißenburg und Odenheim, kaiserlicher Kammerrichter.

Stich von 1618

1623
Am 1. Mai 1623 ist die feierlich Umbenennung Udenheims in Philippsburg.

1624 wird Kaspar Bamberger Kommandant von Philippsburg. 1625 verlegt Sötern das Kloster Hördt in die hiesige Pfarrkirche und erhebt sie zur Stiftskirche. Er gründet hier 1628 ein geistliches Seminar. 1m Dezember 1632 rücken die Schweden näher. Bald sind alle wichtigen Städte in ihrer Hand, außer Heidelberg und Philippsburg. Die Festung hat nur eine Besetzung von 5 Kompanien. 1632 nimmt die hiesige Besatzung an dem Gefecht bei Wiesloch teil, das für die Kaiserlichen mit einer Niederlage endet. Sie müssen sich nach Philippsburg zurückziehen und gehen unter dem Schutz der Philippsburger Kanonen über den Rhein. Sötern zweifelt am Kriegsglück der Liga und der Hilfe des Kaisers. Er stellt das Hochstift und sein Kurfürstentum Trier unter den Schutz Frankreichs. Ehrenbreitstein erhalt 1632 eine französische Besatzung. Als am 20. Juli 1632 ein Abgesandter Söterns vor der Festung Philippsburg erscheint und von Bamberger die Übergabe an die Franzosen verlangt, verweigert der Kommandant ihm dies und vereidigt seine Truppen auf den Kaiser. Um diese Zeit wird die Erzbruderschaft zum Hl. Rosenkranz gegründet.
Am 5. Mai fällt Heidelberg. Philippsburg wird von den Schweden belagert. Der Hunger zwingt die Besatzung am 3. Januar 1634 zur Kapitulation. Bamberger erhalt einen ehrenvollen Abzug und zieht sich in den Kraichgau zurück.

1634
Am 12 Januar wir der 1. evangelische Gottesdienst in Philippsburg gefeiert. Es war ein Dankgottesdienst der Schweden für die Einnahme der Festung. Am 27. September d.J. wird die Festung von Ihnen an die Franzosen für 400.000 Taler Übergeben. Philippsburg wird zum Stützpunkt van 14.000 Mann zu Fuß und 5.000 Reitern. Eine Schiffsbrücke wird gebaut. Die Festung wird mit Lebensmitteln und Kriegsgerät reichlich versehen, doch ist sie 1635 nur von 500 Franzosen und Württembergern sehr leichtsinnig besetzt. Bamberger erfahrt dies und erobert Philippsburg von Menzingen aus durch einen Handstreich am 24.Januar 1635 zurück.
Die Besatzung, die sich ins Schloss zuruckgezogen hatte wird nach Erstürmung des Schlosses am 25. Januar niedergemacht. Bamberger macht große Beute. In Wien wird ein Dankgottesdienst gefeiert. Sötern, der den französischen Kardinal Richelieu sogar zu seinem Nachfolger hatte machen wollen, wird am 16.3.1635 von den Spaniern in Trier gefangengenommen und erst nach Jahren (10.4.1645) wieder freigelassen. Im Juli 1635 flieht Ferdinand III. nach Philippsburg. Auch in unserer Gegend wüten Pest und Hungersnot. 1636-38 ist Philippsburg Sammelpunkt für die Truppen der kaiserlichen Generale Gallas, Piccolomini und Johann. v. Werth für ihren Einfall nach Frankreich. Die Truppen der Liga werden geschlagen. Nur Philippsburg ist noch unbezwungen. Anfang September 1639 vertreibt Bamberger die Feinde zum zweitenmal aus Speyer. 1636-42: Die Philippsburger und die Bewohner der umliegenden Orte werden von Bamberger durch hohe Steuern und Abgaben schwer belastet. 1638 holt Bamberger die 1632 von den Schweden vertriebenen Kapuziner wieder nach Waghäusel zurück und erbaut Ihnen 1640 "aus eigenen Mitteln" ihr Kloster wieder auf (siehe sein Wappen an der Klosterkirche). Sein Name erscheint zum letzten Mal. 1640-42 unternimmt Bamberger Streifzuge bis nach Hagenau, Saarburg und Zabern. Um diese Zeit ist Simplicius Simplicissimus in Philippsburg und schildert das elende Leben in der Festung
.

1644
Nach Aufhebung der Landvogtei ist Philippsburg nur noch ein Unteramt. Am 25. August 1644 erscheint Turenne und der Herzog von Enghien mit 15.000 Mann Fußvolk, 9.000 Reitern und 37 Kanonen vor Philippsburg.Marechal de Turenne

 Die Besatzung der Festung bestand nur aus 450 Mann Fußvolk und 200 Reitern. Der Belagerungsring erstreckt sich im Halbkreis vor Knaudenheim bis Oberhausen. Bamberger kapituliert und zieht am 10. September mit fliegenden Fahnen nach Heilbronn ab. Im Westfalischen Frieden (24.10.1648 erhalten die Franzosen Besatzungsrecht in Breisach und Philippsburg. 1644-1676: Die Festung bleibt nur 32 Jahre lang in französischem Besitz (Frieden von Nymwegen am 12.9.1676). Am 26.3.1645 passiert Turenne mit 8.000 Mann die hiesige Schiffsbrücke in Richtung Mergentheim und Rothenburg. Er wird zum Ruckzug nach Philippsburg gezwungen. Der Herzog v. Enghien erkrankt und wird halbtot in einer Sanfte von 1.000 Reitern begleitet nach Philippsburg und von da nach Paris gebracht.

1646
Sötern hatte am 19. Juli die unumschränkte Verfügung und Schutzherrschaft über Philippsburg und das Bistum Speyer an die Franzosen verkauft. Die Bevölkerung leidet schwer unter der Ausplünderung durch die französische Besatzung. 1646 lässt Kardinal Mazarin einen ganzen Wagen mit dem wertvollsten Teil der fürstbischöflichen Bibliothek nach Frankreich abführen. Die gestickten Teppiche (Gobelins) eignet sich der französische Kommandant als Beute an. 1650/51 wird die Festung ausgebaut und dabei müssen selbst die Philippsburger Frondienste leisten. Am 7. Februar 1652 stirbt Sötern in Trier im Alter von 87 Jahren. Er war 42 Jahre Bischof von Speyer.

Am 11. April des selben Jahres wird der 74. Bischof von Speyer gewählt:, Lothar Friedrich Frh. v. Metternich (1652-73). Er wird am 24. Juni 1656 geweiht. Da Philippsburg besetzt ist, findet die Huldigung nicht hier, sondern am 13.8.1652 im Schlossvorhof von Bruchsal statt. Seitdem Sötern Erzbischof von Trier geworden war, hatte Philippsburg aufgehört, Zentralpunkt der fürstbischöflichen Landesregierung zu sein. Die Residenz so wie die höchsten Gerichts- und Verwaltungsstellen werden zuerst nach Speyer und dann für immer nach Bruchsal verlegt nachdem 1653/54 ein Streit mit der Stadt Speyer ausgebrochen war. 1666 herrscht wieder einmal die Pest. Die davon Betroffenen müssen auf Befehl des Kommandanten aus der Stadt gebracht werden. Die hiesigen Festungswerke werden durch die beiden berühmtesten Kriegsbaumeister dieser Zeit, Vauban und Vaubrun, ausgebaut. Festungsbauer Sebastien Vauban

1672
beginnt der holländische Erbfolgekrieg und wiederum steht Philippsburg im Mittelpunkt der kriegerischen Auseinandersetzungen.

1673
kommt Marschall Turenne selbst hierher, um letzte Hand anzulegen. Nach Vollendung des Ausbaus wird am "Weißen Tor" eine Tafel angebracht, worauf in lateinischer Sprache stand, dass der allerchristlichste König Ludwig XlV. die Festung als Stützpunkt der französischen Krone habe erbauen lassen. 1675 stirbt Metternich. Ais sein Nachfolger wird am 16. Juli 1675 Johann Hugo Frh. v. Orsbeck gewählt (1675-1711). Am 28.Oktober 1673 zwingt der kaiserliche General Montecuculli seine Gegner, mit ihrer  ganzen Armee auf Philippsburg und das linke Rheinufer zurückzuweichen. 1676 wird die ganze Umgebung durch die Philippsburger Besatzung verheert.
"Brulez Ie Palatinat!" ("verbrennt die Pfalz"!) heißt der Befehl von Turenne. Er will damit eine Belagerung von Philippsburg verhindern, von Frankfurt zieht ein deutsches Heer die Bergstraße entlang und eines von Straßburg rheinabwärts, um die Pfalz zu schützen, Am 2. Juni bricht Turenne mit 10.000 Reitern, einigen tausend Mann Fußtruppen und 6 Geschützen von Basel auf, erreicht am 4.6. die Rheinschanze und passiert die hiesige Schiffsbrücke, Die Kaiserlichen werden am 16. Juni 1674 bei Sinsheim geschlagen. Doch der Sieger Turenne verfolgt die Deutschen nicht, sondern zieht sich am 20.6. wieder bei Philippsburg über den Rhein zurück, Am 3. Juli erscheint er mit Verstärkung und zieht gegen die von Norden kommenden Deutschen an den Neckar. Das Pfälzische Gebiet wird durch diese Kriegszüge ,restlos verheert. Durch die Philippsburger Besatzung werden in der Zeit u.a.Graben, Kißlau, Schwetzingen und am 13.3.1676 Bruchsal zerstört.

1676
Der Kaiser beschließt jetzt Philippsburg zu belagern. Seit Oktober 1672 ist Du Fay Kommandant der Festung, Die Besatzung betragt 2.298 Mann Infanterie, 466 Mann Kavallerie und 100 Geschütze mit Bedienung, Die Belagerung beginnt Anfang Mai 1676, der Angriff am 8. Mai. Das Belagerungsheer betragt insgesamt etwa 40.000 Mann.
Die deutschen Truppen stehen bei Graben und gegenüber der Rheinschanze bei Mechtersheim. Diese Belagerung war eine der längsten und blutigsten in der Geschichte der Festung, denn Turenne sagte "Frankreich kann eher den Verlust einer ganzen Provinz verschmerzen, als den der Festung Philippsburg," Die berühmtesten Generäle ihrer Zeit auf französischer und deutscher Seite waren daran beteiligt, u.a. der 21-jahrige Prinz Ludwig Wilhelm v. Baden, der spätere Türkenlouis, Der Hauptkampf ging zuerst um die Rheinschanze. Zur Erstürmung der Schanze, die mit 300 Mann besetzt war, werden 6.000 Mann eingesetzt. Schweres Artillerieduell zwischen beiden Seiten. Die Schanze wird am 19. Mai gestürmt. Der Herzog von Lothringen deckt die Belagerungsarmee im Mai und Juni mit 23.000 Mann an der Lauter gegen die französische Rheinarmee unter dem Herzog von Luxemburg. Rußheim und Rheinsheim sind von kaiserlichen Truppen besetzt. Das Hauptquartier des Feldmarschalls wahrend der Blockade ist in Rheinsheim,
Am 11. Juni macht die Besatzung einen Ausfall. 30 Mann werden niedergemacht. 5 Philippsburger Bürger, die darüber ihre Freude äußerten, werden aus der Stadt gejagt. Bei einem Kriegsrat am 17. Juni wird beschlossen, daß Markgraf Hermann v. Baden von der Engelsmühle und Wertmüller von Rheinsheim her angreifen sollen. Am 23. und 24. Juni werden die Laufgraben eröffnet. Artilleriefeuer aus der Festung und Ausfälle der Besatzung suchen dies zu verhindern. Der Sohn des Markgrafen Friedrich zeichnet sich bei diesen Kämpfen besonders aus. Weitere Verstärkung der Belagerer durch Truppen und Geschütze ist wegen des Grundwassers sehr schwierig. Am 9. Juli sind die Batterien auf beiden Angriffsseiten vollendet und beginnen ihr Feuer. Am 20. Juli sind fast alle Vorwerke von den Deutschen erstürmt. Das Hochwasser des Rheins zerstört die Laufgraben. Die Geschütze auf der Rheinsheimer Seite müssen ausgehoben und nach Rheinsheim verbracht werden. Dafür von Osten starker Beschuss. Kirchturm, Rotes Tor, eine Pulvermühle und viele Häuser werden stark beschädigt. Am 30. Juli werden die Laufgraben zerstört. Nachdem das Hochwasser wieder zuruckgegangen ist, werden die Geschütze wieder eingefahren. Am 26. Wiederaufnahme der Beschießung, Du Fay lässt den Marschall von Luxemburg wissen, dass er an eine Übergabe denke, Dieser verspricht Hilfe. Markgraf Hermann von Baden
Ein Angriff der Belagerer auf das Kronenwerk ist erfolgreich, der Hauptangriff im Osten ebenfalls. Die französische Entsatzarmee ruckt gegen Weißenburg und Landau vor. Die Deutschen ziehen sich von der Lauter auf Mechtersheim zurück. Die Franzosen versuchen mit "Brandern" die Schiffsbrücke zu vernichten. Die Deutschen spannen zwei starke Schiffsketten über den Rhein und rammen Pfahle in den Fluss. Am Ufer befinden sich mehrere Schiffe und 2.000 Mann Fußvolk und Reiter, um diese Zerstörungsmaschinen und die folgenden Truppentransporter abzufangen.Dieser Plan gelingt. Der französische Marschall wagt es nicht, das stark verschanzte Lager der Deutschen anzugreifen und zieht sich in der Nacht nach Landau zurück, Seine Schiffe versenkt er. Die Pulvermühle fliegt - von einer Bombe getroffen - in die Luft. Am 31. Juli war der blutigste Angriff. Er kostete allein den Deutschen 800 Tote und viele Verwundete.
Am Ende wurde ein Waffenstillstand von morgens bis nachmittags geschlossen. Während die Toten und Verwundeten weggeschafft wurden, trafen sich die Offiziere auf der Glacis und machten sich bei Wein und Pasteten gegenseitig Komplimente. Dann begann der Kampf heftiger als vorher. Am 6. August bezieht der Herzog von Luxemburg feste Stellung bei Germersheim, Die französische und deutsche Armee sind nur eine Stunde durch den Lingenfelder Wald getrennt. Vom Weißen-Tor-Turm sieht man die Bewegung des französischen Entsatzheeres und hört die Trommeln. Am 8.August versucht eine französiche Abteilung vergeblich den Rhein zu überqueren. Ein Vorschlag des Herzogs von Lothringen an Du Fay zur Kapitulation wird abgelehnt.Herzog Friedrich August stirbt bei einem Angriff an seinen schweren Verletzungen.Neben ihm kämpfte Prinz Ludwig Wilhelm von Baden. Er erhält zum Lohn für seine Tapferkeit das Regiment des Gefallenen. Am 26.August werden die Breschen geschlossen. am 28.wird Du Fay mehrmals zur übergabe aufgefordert, doch er lehnt ab.Nach mehreren vergeblichen Stürmen und wütendenden Ausfällen wird auf Vorschlag des Markgrafen Hermann ein Doppelangrif von Ost und West unternommen. Am 6. und 7.September Kanonade durch 30 Geschütze. Endlich am 8.September erscheint ein Parlamentär. Die Deutschen hatten 5 Breschen geschossen, die Gräben waren ausgetrocknet und Du Fay hatte fast keine Munition mehr. In der Verhandlung werden der Besatzung 8 Tage für ihnen Abzug nach Hagenau zugestanden. Am 9.September 1676 kapitulieren die Franzosen, auf den Tag genau 32 Jahre nach der Eroberung der Festung im Jahre 1644
Die Besatzung , die noch aus etwa 1500 Mann besteht, erhält einen ehrenvollen Abzug. Die ganze deutsche Generalität hatte sich zwischen Festung und Rhein versammelt. Markgraf Herrmann von Baden begrüßt den abziehenden französischen Kommandanten und überreicht ihm zu Abschied im Namen des Kaisers einen mit Diamanten reich besetzten Degen. Man gelobt sich gegenseitig seiner Tapferkeit und dann geleitet Graf von Styrum die Franzosen mit 600 Reitern über Landau und Weissenburg nach Hagenau. Am 16. Dezember besetzt eine deutsche Abteilung das Weiße-Tor ( “porte de France”) und am 18.September 1676 ziehen die Deutschen mit 3000 Mann in die Festung ein. In Wien und Philippsburg finden Dankgottesdienste statt. Anstatt der französichen Tafel am Weißen-Tor wird jetzt eine deutsche angebracht. Auf dieser stand, daß der deutsche Kaiser diese Festung, welche von den Franzosen zum Untergang der deutschen Freiheit erweitert und befestigt worden sei, im August wiedererobert habe, zum Schrecken seiner Feinde, zur Deckung der Reichslande und zur Vernichtung der französischen Kriegsmacht am Oberrhein. Zur Erinnerung an diesen Tag wird eine Medaille geprägt.
Während der Belagerung hatten die Philippsburger im Schutzkeller Schutz gesucht. Markgraf Ludwig Wilhelm wird mit der Siegerbotschaft nach Wien zum Kaiser geschickt. Dort wird in St.Michael ein Dankgottesdienst abgehalten; am 25.September in Philippsburg ein “ Tedeum”. 79 Kanonen und 9 Mörser feuern je dreimal.

1672
Beginn der Friedensverhandlungen. Frankreich will entweder Freiburg. Philippsburg wird neu befestigt.

1679
Nach dem Frieden von Nymwegen wird Graf von Stahremberg, der Bruder des Helden von Wien Kommandant hier.


1683
wird der Entsatz von Wien, das von Türken belagert worden war, auch hier gefeiert. Am 8.September 1685 ist Einweihung der Kapuzinerkirche in Waghäusel. Stahremberg lässt 113 Schuß abfeuern. Ludwig XIV. besetzt die Reichsstädte im Elsaß ( 1681 Straßburg). 1680 richtet er in Breisach und Metz Reunionskammern ein.

1688
beginnt der Pfälzische Erbfolgekrieg. Der Dauphin ( der französische Thronfolger) fält in die Pfalz ein. Die 32-tägige Belagerung von Philippsburg beginnt am 27.September. Am 5.Oktober Beginn der Beschießung. Die Belagerungsarmee soll 15.000 Mann stark gewesen sein. Die Rheinschanze leistet 6 Tage Widerstand. Am 6.Oktober erscheint der Dauphin selbst im Lager mit dem Herzog von Bourbon und dem Prinzen von Conti. Er nimmt das Kronenwerk selbst mit dem Degen in der Faust.  Die Kapitulation findet am 29. Oktober statt. Die Franzosen besetzen die Festung am 30.Oktober. Am 1. November ehrenhafter Auszug der 1.800 Mann Besatzung mit freiem Geleit bis Ulm. Unterdrückung und Erpressung sind an der Tagesordnung. Von 1688 - 1697 ist Philippsburg Sitz des “ Departements Philippsbourg”. Der Schultheiß ist ein Franzose (Prefekt). Im Januar 1689 besetzt Melac Heidelberg und verwüstet es. Die Beute bringt er zum Teil nach Philippsburg. Anschließend werden Weinheim, Mannheim und Worms zerstört. Am 1. und 2. Juni 1689 wurden in Speyer der Dom, 3 Stifte, 5 Klöster, 8 Kirchen, 13 Kapellen, 14 Zunftstuben, 28 städtische Gebäude und 788 Bürgerwohnungen verbrannt. Die Kaisergräber wurden erbrochen. Den Bewohnern war die Flucht über den Rhein verboten. Die Madonna überlebte und gelangte später über Kirrweiler und Frankfurt nach Speyer zurück. Noch Ende Mai hatte man viele Kisten und Fässer mit wertvollen Paramenten, Geräten, Büchern und Briefen auf dem Rhein nach Philippsburg gebracht. Mineure wollten nach dem Brand gerade die beiden östlichen Türme und Kuppeln sprengen, als ein Bote des Marschall Duras von Philippsburg eintraf, der die Zerstörung untersagte. Viel Eisen und Ziegelsteine des zerstörten Domes wurden nach Philippsburg gebracht. Im März 1690 zerstört ein Streifcorps aus Philippsburg den Rest von Bruchsal, u.a. auch das Kapuzinerkloster. Am Palmsonntag ergeht es dem in Waghäusel ebenso. Ein Militärhos- pital wird eingerichtet. Eine Floßbrücke, später eine Schiffsbrücke wird gebaut. Verstärkung aus Lothringen und Burgund treffen ein. am 1. Juli kommt der Dauphin wieder hierher. Die Allierten erleiden in diesem Jahr schwere Niederlagen. eine englisch-holländische Flotte wird im Kanal vernichtet. Der Sieg wird auch hier am 15.Juli durch eine dreifache Kanonensalve gefeiert.
Das Reichsheer soll von 40.000 auf 120.000 Mann verstärkt werden. Man sieht ein, daß man nach dem Frieden von Nymwegen Philippsburg vernachlässigt hatte. Aber es geschieht nichts und die Franzosen hatten von Philippsburg auf freien Weg nach Franken, Schwaben und in die Pfalz.

1691
Am 3.August unternehmen die Franzosen einen Raubzug über Pforzheim nach Schwaben und machen reiche Beute. Die Deutschen begnügen sich sich mit einem Beobachtungskordon am Neckar. Im Februar 1692 “streiften” unter ihren Augen 4000 Franzosen Heidelberg und Mannheim. Duc de LorgesDe Lorges dringt abermals plündernd und brennend nach Württemberg vor. Der Türkenlouis wird von Ungarn an den Rhein beordert. 1693 beginnt er mit dem Bau eines verschanzten Lagers bei Heilbronn. Philippsburg wird von den Franzosen gut ausgerüstet. Alle Regimenter in den Städten bis Strassburg erhalten Marschbefehl hierher. Artillerie und Munition werden ergänzt. Die Franzosen wollen zuerst Heidelberg, dann Heilbronn angreifen. Heidelberg ergibt sich am 22.Mai freiwillig. Furchtbare Behandlung der Bewohner. Die Stadt wird von 5 Regimentern geplündert. “Hernach sind die Einwohner wie das Vieh nach Philippsburg und über den Rhein getrieben worden” (Nopp).
23 sind hier gestorben. Der Philippsburger Kommandant de Bordes leitet die Zerstörung des Heidelberger Schlosses und die Sprengung des Apothekerturmes. Erst im September kehrt er mit reicher Beute nach Philippsburg zurück. Er bringt die große Schlaguhr des gesprengten Schlossturmes hierher und läßt sie am Weißen-Tor-Turm anbringen. Sie hing dort bis 1732. Bei seinem Abzug muß ihm die Stadt dafür und für 2 aus Speyer geraubten Feuerspritzen 390 Gulden bezahlen. Nach vergeblichen Versuchen Heilbronn zu nehmen, verwüstes de Lorges die Orte an der Bergstraße und viele in Schwaben. Stuttgart wird besetzt. Der Herzoge von Württemberg muß in 6 Monaten 40.000 Reichstaler bezahlen und hierauf alle Quartal 2.500 nach Philippsburg.

 

 

1694 bis 1697
iist unsere Stadt wieder der Zentralpunkt der kriegerischen Operationen am Oberrhein. De Lorges unternimmt im Juni/Juli 1694 einen Kriegszug über Graben- Bruchsal- Bretten - Wiesloch - Hockenheim- Lußheim. Der Türkenlouis verfolgt ihn bis unter die Wälle von Philippsburg. Am 24. Juli überschreitet der Dauphin mit seiner Armee von Holland kommend hier den Rhein. Es gelingt ihn nicht, die Deutschen aus ihren Stellungen zu vertreiben. am 5. August treten die Franzosen den Rückzug an. Das schwere Geschütz und viele Wagen werden nach Philippsburg und Fort Louis gebracht. Durch die Anwesenheit der französichen Armee, die vielen Kriegsgefangenen und Flüchtlinge herrscht eine große Sterblichkeit. 1696 entsteht eine große Feuersbrunst durch die Explosion von Granaten. 1697 überschreiten die Franzosen unter dem neuen Philippsburger Festungskommandaten Chroiseul bei Fort Louis den Rhein und brandschatzen die Markgrafschaft Baden.
Am 30. Oktober d.Jahres wird der Frieden von Ryswick geschlossen. Der Rhein soll Frankreichs Grenze sein. Straßburg bleibt französisch, Freiburg und Breisach kommen an Österreich, Philippsburg und Kehl werden Reichsfestungen. Die Franzosen verlassen am 14. Juli 1698 Philippsburg nach vielen Zerstörungen und Schikanen. Thüngen erhält den Befehl über die Festung. Sie hat eine Besatzung von 2.700 Mann. Da Philippsburg durch den Frieden von Ryswick aus dem französischen Staatsverband ausscheidet, gelant der Bischof von Speyer wieder zu seinen herrschaftlichen Rechten. Der Bischoff Johann Hugo Frh. von Orsbeck (1675 - 1711) leitet persönlich das Bistum nur ein Jahr, bis er Fürstbischof von Trier wird. Sein Stellvertreter, mit allen Vollmachten wird Heinrich Hartard Freiherr von Rollingen. Dieser war einer der gelehrtesten und geschickesten Staatsmänner seiner Zeit. Er verhandelte in Paris und auf dem deutschen Reichstag in Regensburg. Unter dem neuen Kommandanten von Thüngen besteht ein gutes Verhältnis zwischen Bürgerschaft und Garnison. Es herrscht Ruhe und Ordnung und ein kleiner Wohlstand kehrt ein.Heinrich Hartard Freiherr von Rollingen
Es ist hier ein Kaufhaus zum Wiegen, Messen und Verkaufen vorhanden. von 1648-1697 durfte hier nur die katholische Religion ausgeübt werden und die wenigen evangelischen Soldaten der Garnison mußten den Gottesdienst in Graben, Rußheim oder Lußheim besuchen.Später erhielten sie den Speicher der fränkischen Kaserne zugewiesen. Da aber die Zahl der Protestanten mit der neuen Besatzung zugenommen hatte und Thüngen selbst Protestant war, so wollte man ein eigenes protestantisches Bethaus haben. Mit Zustimmung des Bischofs wurde die herrschaftliche Scheuer am Paradeplatz repariert .Nach 1680 unterstützte die Stadt sogar den Bau einer evangelischen Kirche mit Geld, als die Protestanten eine eigene ev. Pfarrei errichten wollten. Die Toleranz der Philippsburger war also schon früher sehr ausgeprägt.von Thuengen
 Am 1. November 1700 beginnt der spanische Erbfolgekrieg. Prinz Eugen kämpft in Italien. Der Türkenlouis errichtet am Oberrhein eine Verteidigungslinie mit Kehl und Philippsburg als Eckpfeiler. Im Frühjahr 1702 konzentriert er sein Heer bei Philippsburg. Er rückt am 20. April oberhalb Speyer über den Rhein, um Landau zu belagern. Die französische Armee steht bei Straßburg. König Josef reist im Juni mit seiner Gemahlin nach Heidelberg und zieht mit einer Gefolge von 233 Personen vor das belagerte Landau wo Thüngen ein Kommando hat. Nach der Einnahme von Landau findet hier ein feierliches Dankfest unter Anwesenheit des königlichen Paares und des Kurfürsten von der Pfalz mit seiner Gemahlin statt, wobei bis morgens getanzt wird.

Markgraf Ludwig erhält von den 12..000 versprochenen Truppen nur 10.000 Mann und muss sich daher vor 2 herankommenden französischen ArmeenMarkgraf Ludwig von Baden auf die Stollhofener Linien zurückziehen. Während man in Regensburg noch über die Verstärkung von Kehl und Philippsburg verhandelt, fällt Kehl nach 14-tägiger Belagerung am 8.3.1703. Die Garnison erhält freien Abzug nach Philippsburg. Geschlagene deutsche Truppen ziehen sich Ende 1703 unter die Mauern von Philippsburg zurück, das schlecht gerüstet ist, Am 14.2.1704 Beschießung von Philippsburg. Am 19.8.1704 Schlacht bei Hochstätt. Die Franzosen werden geschlagen und ziehen sich auf Landau zurück. Prinz Eugen verfolgt sie und erscheint am 2.9.1704 bei Philippsburg. Er nimmt 6 Tage Quartier im Kloster Waghäusel. Zwischen dem 7. und 9. September überschreiten Prinz Eugen und Marlborough hier den Rhein. Der Türkenlouis übernimmt den Oberbefehl. König Josef I. trifft am 22. September 1704 wieder von Heidelberg kommend in Waghäusel ein und speist dort zu Mittag, Anschließend geht er hier über den Rhein nach Landau. Nach dem Fall Landaus am 24. November verursachen einige hundert Gefangene hier Verpflegungsschwierigkeiten. Am 11. Mai, 10. Juni und 31. Juli hält sich der Türkenlouis in Waghäusel auf, am 3. Juli sogar mit Frau und Sohn.

Ein Versuch der Franzosen, von Mechtersheim her die Rheinschanze zu erobern, misslingt; 200 ertrinken. Ein Versuch Thüngens, mit 4.600 Mann 20.000 Franzosen an der Lauter anzugreifen, misslingt ebenfalls. Im Oktober 1706 weilt der Türkenlouis zum letzten Mal vor seinem Tode mit Frau und Erbprinz in Waghäusel. Er war ein großer Verehrer der Muttergottes von Waghäusel.